Hanf: der nachhaltige Rohstoff der Zukunft?

Hanfpflanze ist eine uralte, sehr vielseitige Nutzpflanze, die nach längerer Zeit allmählich wieder entdeckt wird: Immer mehr Produkte werden aus Hanf gewonnen. Er gilt als einer der nachhaltigsten Rohstoffe unserer Zeit und der nächsten Generationen. Aber ist das auch so?

 

Bereits vor 12.000 Jahren nutzten Menschen in China und Persien den Rohstoff Hanf: Aus den Fasern stellte man Textilien und Papier her. Sogar die erste Bibel von Gutenberg wurde 1455 auf Hanf gedruckt. Auch Segel und Tauwerk großer Schiffe waren aus Hanf und die erste Levi’s Jeans von 1870 war eine Hanfhose.

Hanf als Droge, Nutzpflanze und Textil-Rohstoff

Doch mit der Industrialisierung wurde Hanf allmählich verdrängt: Neue Maschinen halfen bei der Baumwollverarbeitung. Und durch den Fortschritt der Pharmaindustrie verlor Cannabis zunehmende seine medizinische Bedeutung. Nach dem Zweiten Weltkrieg verbot man den Anbau von Hanf gänzlich.

Erst seit 1996 ist in Deutschland der Anbau von Nutzhanf wieder erlaubt. Dieser ist arm an THC (=Tetra-Hydro-Cannabinol), weswegen er sich nicht für die Weiterverarbeitung zu Drogen eignet. Landwirte beklagen sich aber, dass es schwer ist, zugelassenes Saatgut zu bekommen. Denn oft wird der THC-Grenzwert (<0,2%) überschritten. Auch ist die Qualität der in Deutschland nicht zugelassenen Textilhanf-Konkurrenz z. B. aus China besser (vgl. Deutschlandfunk).

Die ökologischen Vorteile von Hanf

  • Die Hanfpflanze ist anspruchslos und wächst auf fast jedem Boden von den Tropen bis nach Sibirien. Baumwolle hingegen wächst nur in einigen Regionen. Die Folge sind längere Transportwege und intensivere Bewässerung verglichen mit Hanf. Das gilt auch für Bio-Baumwolle.
  • Hanf wird bis zu 4 Meter hoch und entwickelt viele Wurzeln. Zudem ist sein Blätterwerk spätestens im Juli so dicht, dass Beikräuter im Feld zu wenig Licht bekommen und eingehen. Deswegen muss Hanf nicht chemisch mit Herbiziden gespritzt werden, unter denen vor allem Insekten wie Bienen und Bodentiere leiden.
  • In Hanffeldern herrscht ein sehr feuchtes Klima. Eigentlich perfekt für Pilzbefall. Hanf ist dagegen jedoch sehr resistent, weshalb auch auf chemische Fungizide vollständig verzichtet werden kann.
  • Alles von den Samen über die Blätter bis hin zu den Stängeln kann
  • Alles von den Samen über die Blätter bis hin zu den Stängeln kann verwertet werden. Der Rohstoff wird somit optimal genutzt. 
  • Hanffasern sind sehr widerstandsfähig. Deswegen kann z.B. Papier aus Hanf öfter recycelt werden als Papier aus Holzfasern. Der Stoffkreislauf wird damit verlängert.

Wird Hanf zusätzlich biologisch angebaut, ergeben sich weitere Vorteile:

  • Das Sächsische Landesamt für Umwelt und Geologie hat untersucht und verglichen, wie viele Insekten in konventionellen und biologischen Hanffeldern vorhanden sind. Biologische Felder wiesen deutlich mehr Diversität und eine höhere Zahl von Insekten auf. Dies hat sowohl positive Auswirkungen auf den Vogelbestand als auch auf das Gleichgewicht der Natur.
  • Die ökologische Hanfpflanze hatte eine deutlich bessere Qualität und brachte höhere Erträge. Der Samenertrag war jedoch geringer als bei konventionellem Hanf.
Ökologische Baum welcher die Hanfplanze zeigen soll

Die ökologischen Nachteile beim Hanfanbau

Konventionelle Erntemaschinen müssen umgebaut und produziert werden.
(Foto: CC0 / Pixabay / hansbenn)

  • Durch die Größe der Hanfpflanze, die starken Wurzeln und das feuchte Klima in den Plantagen haben Beikräuter auf den Äckern keine Chance, weswegen er nicht gespritzt werden muss. Gleichzeitig können dann aber auch wichtige Beikräuter nicht mehr wachsen und die Vielfalt ist gefährdet. Das Sächsische Landesamt rät daher von einer Konzentration großer Anbauflächen und von mehrjähriger Selbstfolge ab.
  • Für die riesigen Pflanzen braucht es modifizierte Landmaschinen und Häcksler. Diese müssen erst produziert werden, was einen großen Aufwand an Ressourcen bedeutet.
  • Aufgrund seiner Größe und des Blätterwerks eignet sich frischer Hanf nicht für den Transport. Nachhaltig ist der Anbau also vor allem dann, wenn vor Ort oder in der Nähe eine Anlage zur Verarbeitung bereit steht. Sonst müssen viele umweltbelastende Kilometer zurück gelegt werden.
  • Eine Lösung könnten z.B. Genossenschaften (z.B. „Hanffaser Uckermark“) sein, die sich regionale Verarbeitungsanlagen und Erntemaschinen teilen.

Vielfältige Produktpalette aus Hanffasern, Früchten, Samen und Blättern

  • Die Fasern werden aus den dicken Stängeln der Pflanze gewonnen. Sie werden z.B. verarbeitet zu Hanfseilen, Dichtungsmaterial, Papier, Innenverkleidung von Autos und zu jeder Art von Textilien (Kleidung, Matratzen, Handtücher, Rucksäcke etc.).
  • Im Internet finden sich einige Onlineshops, die Hanftextilien verkaufen (z.B. bei ** Avocadostore). Neben T-Shirts, Jeans und anderen Kleidungsstücken gibt es hier auch Hundeleinen.
  • Auch zu Baustoffen wie Betonersatz oder Dämmwolle können Hanffasern verarbeitet werden. Diese gelten als sehr atmungsaktiv, staubarm und hautverträglich.
  • Gepresst und verleimt entstehen aus den Pflanzenteilen auch Bretter, die weiter zu Möbeln verarbeitet werden.
So sehen Hanf Samen aus

Früchte:

  • Hanf produziert essbare Früchte in Form von kleinen Nüssen. Sie sind reich an Proteinen, Vitaminen, Mineralstoffen und ungesättigten sowie gesättigten Fettsäuren. Kleine Mengen werden für Brot oder Müsli verwendet. Auch Mehl lässt sich daraus herstellen.

Samen:

  • Auch die Samen sind essbar. Sie werden z.B. in Brotaufstrichen, Schokolade oder in Brot verwendet (z.B. bei** Avocadostore). Aus Hanfsamen wird auch Speiseöl gewonnen. Weiterverarbeitet wird das Öl in Kosmetika (z.B. Shampoo bei** Avocadostore), Lacken oder auch Farben eingesetzt.
  • Die Samen enthalten zudem Tenside, weswegen sich daraus biologisches Waschmittel herstellen lässt. Auch die pharmazeutische Bedeutung wächst wieder: So wirkt z.B. Hanföl bei Neurodermitis oder Allergien.
  • THC wird zur Hemmung von Übelkeit und als Appetitanreger bei Aids- und Krebstherapien eingesetzt. Die Forschungen über die medizinischen Wirkungen von Cannabis sind jedoch noch am Anfang.

Blätter und Pflanzenreste:

  • Die Pflanzenreste sind als Biomasse in Kraftwerken zu erneuerbarer Energieverwertbar. Aus den Resten der Stängel wird sehr saugfähiges Einstreu für Tiere hergestellt.

Fazit;

Die Hanfpflanze wächst überall und ist damit ressourcenschonend. Die Pflanze kann komplett verwertet werden und benötigt im Anbau keine synthetischen Spritzmittel. Sie eignet sich dadurch als Rohstoff für sehr viele Produkte. Die Nachteile im Anbau können durch eine wechselnde Fruchtfolge und Genossenschaften vermieden werden. Gerade durch seine Vielseitigkeit, Regionalität und Robustheit ist Hanf ein hoffnungsvoller, erneuerbarer Rohstoff der Zukunft.

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